Der Viktoriner Chronist Johannes von Toulouse (+1659)
Kritische Edition seines Frühwerks
1. Projektphase: 1. August 2014–31. Juli 2017 (Edition der Commentaria)
2. Projektphase: 1. Januar 2019-30. November 2020 (Edition der Congregatio Victorina)
Den Viktoriner Chronisten und Historiographen Johannes von Toulouse (1590-1659) kennen bisher nur Spezialisten der Stadtgeschichte von Paris, insbesondere der Geschichte der Abtei Saint-Victor. Diesem Kanoniker des 17. Jahrhunderts war im Kontext seines Konventes nicht nur eine verantwortungsvolle Laufbahn beschieden, sondern er hat darüber hinaus ein beachtliches historiographisches Oeuvre hinterlassen. In einem Zeitraum von rund 45 Jahren verfasste Johannes von Toulouse nämlich acht sehr unterschiedliche Quellenwerke und Abhandlungen, die aufgrund ihrer überwiegend ungedruckten Fassungen heute inhaltlich kaum bekannt sind und ihrer wissenschaftlichen Erschließung harren.
In seinen beiden nur handschriftlich erhaltenen Frühwerken, dem sogenannten "Recueil historique" und der "Congregatio Victorina", unternimmt Tolosanus den Versuch, die ihm vorliegenden Quellen im geschichtlichen Gesamtzusammenhang seiner Abtei zu interpretieren. Dabei ist das "Recueil historique" eine Zusammenstellung personenbezogener Studien zur mittelalterlichen und zur frühneuzeitlichen Abtei von Saint-Victor, während das Werk "Congregatio Victorina" einen Überblick über die Häuser und deren Struktur in der Kongregation von Saint-Victor aufzeigt. Die kritische Edition dieser beiden grundlegenden Werke wird zunächst die Texte bereitstellen und in mehreren begleitenden Apparaten erschließen.
Johannes von Toulouse aus Saint-Victor dürfte neben dem Benediktiner Jean Mabillon (+ 1713) aus Saint-Germain-des-Prés zu den herausragenden Gestalten der europäischen Historiographie des 17. Jahrhunderts zählen.
Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert und vom Institutsvorstand Prof. Dr. Rainer Berndt SJ geleitet. Frau Dr. Anette Löffler war die Bearbeiterin der ersten Projektphase, Frau Dr. Karin Ganss bearbeitet die zweite Phase.

